Globale Internet-Beschaffung: Warum Inhouse-Sourcing oft teurer wird als gedacht
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Globale Internet-Beschaffung
Über die Lieferzeit einer Standortanbindung entscheidet Erfahrung, nicht Bandbreite.
Wenn ein Standort in einem neuen Land ans Netz soll, stellt sich für IT-Verantwortliche meist dieselbe Frage: Wer kümmert sich um die Internetanbindung und wie lange dauert das eigentlich? Die Antwort hängt weniger von der Bandbreite ab als von der Erfahrung dessen, der die Bestellung aufgibt.
Wer schon Dutzende Male beim selben lokalen Provider bestellt hat, bekommt oft deutlich kürzere Lieferzeiten als ein Erstkunde, nicht durch Verhandlungsgeschick, sondern schlicht durch bestehende Beziehungen. Genau das ist einer der am wenigsten diskutierten Unterschiede zwischen Inhouse-Beschaffung und der Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Sourcing-Partner.
Vom MPLS-Zeitalter zur fragmentierten Anbieterlandschaft
Internet-Sourcing war nicht immer so komplex. In der MPLS-Ära gab es einen globalen Carrier, einen Vertrag und ein geschlossenes Ökosystem. Teuer und wenig flexibel, aber beschaffungstechnisch simpel.
Mit Cloud-first-Anwendungen, SD-WAN und hybriden Arbeitsmodellen hat sich das geändert: Lokaler Internetzugang wurde zum wirtschaftlicheren und technisch passenderen Underlay für die meisten Standorte, günstiger sowohl bei der Einrichtung als auch im laufenden Betrieb.
Der Haken dabei: Statt eines MPLS-Anbieters steht der IT-Einkauf nun einem ganzen Ökosystem aus lokalen Providern gegenüber. Wer Konnektivität in 20, 30 oder 40 Ländern beschaffen will, hat es mit unterschiedlichen Währungen, Vertragswerken, Sprachen und Supportmodellen zu tun. Für viele Einkaufsteams zeigt sich das volle Ausmaß dieser Komplexität meist erst nach einigen Monaten im laufenden Projekt. Wie stark Anbieterkonsolidierung den Betrieb entlastet, wird deshalb häufig zu spät zum Thema.
Auf dem Papier wirkt Inhouse-Sourcing schlank: kein Mittelsmann, direkte Preise, volle Kontrolle. In der Praxis zeigen sich regelmäßig vier Probleme.
Eine Person, zu viele Zeitzonen
Ein eigenes Beschaffungsteam nur für Konnektivität lohnt sich für die wenigsten Unternehmen, der Anteil am Gesamtbudget ist dafür meist zu gering. Die Aufgabe landet stattdessen bei einer einzelnen Person, die mit Providern in Amerika, Europa, APAC und dem Nahen Osten verhandelt.
Jede Anfrage, jede Rückfrage, jede Eskalation überquert dabei Zeitzonen und häufig auch Sprachbarrieren. Was in einem einzelnen Markt in zwei Telefonaten geklärt wäre, zieht sich über Tage.
Lokale Regeln, die niemand von sich aus erwähnt
Jedes Land hat eigene Spielregeln, und Anbieter weisen selten proaktiv darauf hin. In manchen Märkten sind vor Auftragserteilung bestimmte Dokumente des Endkunden erforderlich, in anderen ist ohne Nachweis eines lokalen Elektrikerkontakts gar keine Bestellung möglich.
Ein einheitliches Regelwerk für die weltweite Beschaffung von Internetzugängen existiert nicht. Wer diese Anforderungen erst im laufenden Prozess entdeckt, riskiert Verzögerungen von mehreren Wochen, und zwar pro Standort.

Der Zeitaufwand, mit dem niemand rechnet
Anbieter recherchieren, Angebote mit unterschiedlicher Terminologie vergleichen, Zusagen verifizieren, lokale Vertragsbedingungen verhandeln: all das bindet Ressourcen, die im Tagesgeschäft meist fehlen.
Und das, bevor ein neuer Lieferant überhaupt durch Rechts-, Sicherheits- und Finanzprüfung ist. In größeren Organisationen kann allein dieser interne Onboarding-Prozess mehrere Monate dauern, multipliziert mit jedem Land, in dem ein Standort betrieben wird.
Jede Beziehung beginnt bei null
Eine Erstbestellung bei einem unbekannten Anbieter läuft nach dessen Tempo, ohne Historie, ohne Verhandlungsmasse, ohne Abkürzungen. Ein Sourcing-Partner, der bereits mehrfach beim selben Provider bestellt hat, startet dagegen aus einer völlig anderen Position: bestehende Verträge, eingespielte Prozesse und eine Beziehung, die die typische Reibung der Erstbestellung längst hinter sich gelassen hat.
Das kann die quotierte Lieferzeit in der Praxis um bis zur Hälfte verkürzen. Und wenn ein Standort nur von einem einzigen, schwer zugänglichen Anbieter versorgt wird, hat ein global vernetzter Partner in der Regel alternative lokale Kontakte, ein Einzelkämpfer dagegen oft nicht.
Fragen, die Sie vor jeder Vertragsunterschrift klären sollten
Unabhängig davon, ob Sie selbst beschaffen oder nicht: Diese fünf Fragen ersparen Ärger und Zeit.
- Wem gehört die Glasfaser wirklich? Manche Anbieter mieten die letzte Meile von Dritten und vermarkten sie dennoch als eigenes Netz. Für Redundanzanforderungen ist das ein entscheidender Unterschied.
- Dediziert oder Shared Access? Ein als Business bezeichneter Anschluss auf Consumer-Basis erfüllt selten die Verfügbarkeitsanforderungen eines Produktionsstandorts. Bei der DIA-Anbieterauswahl ist das die erste Trennlinie.
- Wie sieht der Support konkret aus? Rund um die Uhr verfügbar? In welcher Sprache? Kann ein IT-Team auf einem anderen Kontinent um 3 Uhr nachts ein Ticket eröffnen?
- Was wird für die Bestellung benötigt? Dokumente, Vor-Ort-Kontakte, länderspezifische Vorgaben. Die vollständige Liste sollte vor jeder Lieferzusage vorliegen.
- Teilen sich zwei Leitungen dieselbe Infrastruktur? Wer Redundanz einkauft, sollte sie auf physischer Ebene verifizieren, nicht anhand des Anbieternamens.
Jede dieser Antworten wirkt sich direkt auf Lieferzeit und Servicequalität aus. Erstkäufer wissen oft nicht, dass eine eigene letzte Meile nicht immer bedeutet, was sie verspricht. Welcher Anschlusstyp am Ende passt, hängt vom Standortprofil ab: eine Orientierung dazu gibt der Vergleich, welcher Anbieter zu welchem Gewerbeanschluss passt.
Moderne Sourcing-Plattformen haben mit der gestiegenen Komplexität Schritt gehalten. Statt einzelne Anbieter anzuschreiben und wochenlang auf Angebote in unterschiedlichen Formaten und Währungen zu warten, lassen sich Standortadressen und Anforderungen zentral erfassen und vergleichbare Angebote konkurrierender Provider gebündelt einsehen. Technologie löst damit das Transparenzproblem. Die eigentliche Erfahrung, also die richtigen Dokumente für ein bestimmtes Land, das Wissen um versteckte Vertragsklauseln und die Einschätzung, ob eine eigene letzte Meile tatsächlich eine ist, kommt aus der Praxis Tausender abgewickelter Bestellungen.
Wie Savecall Sie dabei unterstützt
Als carrier-neutraler Sourcing- und Beratungspartner orchestriert Savecall den Zugang zu allen wesentlichen Carriern weltweit, mit Marktkenntnis, eingespielten Anbieterbeziehungen und der Erfahrung aus einer Vielzahl abgewickelter Standortbestellungen. Das Portfolio reicht von DIA und Business-Internet über Ethernet, SD-WAN und SASE bis zu NaaS und IP-Transit für die Standortvernetzung.
Wir übernehmen Anbieter- und Preisvergleich, klären länderspezifische Anforderungen vorab, verhandeln Verträge und begleiten den laufenden Betrieb, unabhängig davon, ob es um einen einzelnen Standort oder einen globalen Multi-Country-Rollout geht. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt der Blick auf globale Konnektivität aus einer Hand.
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Fazit: Sourcing ist kein Nebenprojekt
Die Beschaffung globaler Konnektivität lässt sich grundsätzlich inhouse abbilden. Die relevantere Frage ist, ob das der beste Einsatz der eigenen Ressourcen ist, oder ob die Zeit des IT-Teams besser in Entscheidungen investiert ist, die niemand sonst treffen kann: Architektur, Sicherheitsniveau, Priorisierung von Anwendungen. Lieferzeiten und Länderformalitäten gehören nicht in diese Kategorie. Wer vor einem Rollout in mehreren Ländern steht, sollte den Beschaffungsweg deshalb genauso bewusst entscheiden wie die Technologie darunter.

Verfasst von
Frank Frommknecht
Key Account Consultant, SAVECALL
Begleitet Unternehmen seit über 20 Jahren bei Auswahl und Optimierung ihrer Vernetzungslösungen. Sein Fokus: komplexe Telekommunikation aus Sicht des Kunden verständlich machen und strategisch die passende Lösung finden.
Häufig gestellte Fragen zur globalen Internet-Beschaffung
Inhouse-Beschaffung wirkt auf dem Papier schlank: kein Mittelsmann, direkte Preise, volle Kontrolle. In der Praxis landet die Aufgabe meist bei einer einzelnen Person, die mit Providern in Amerika, Europa, APAC und dem Nahen Osten verhandelt. Ein Sourcing-Partner startet dagegen aus bestehenden Verträgen und eingespielten Prozessen. Der Unterschied zeigt sich weniger im Listenpreis als in Lieferzeit, Eskalationswegen und der Kenntnis länderspezifischer Anforderungen. Die relevantere Frage ist deshalb nicht, ob Inhouse möglich ist, sondern ob es der beste Einsatz der eigenen Ressourcen ist.
Eine Erstbestellung bei einem unbekannten Anbieter läuft nach dessen Tempo, ohne Historie, ohne Verhandlungsmasse und ohne Abkürzungen. Wer schon Dutzende Male beim selben lokalen Provider bestellt hat, bekommt häufig deutlich kürzere Lieferzeiten, nicht durch Verhandlungsgeschick, sondern durch bestehende Beziehungen. In der Praxis kann das die quotierte Lieferzeit bis zur Hälfte verkürzen. Kommt hinzu, dass ein Standort nur von einem einzigen, schwer zugänglichen Anbieter versorgt wird, hat ein global vernetzter Partner in der Regel alternative lokale Kontakte.
Nicht immer das, was der Begriff verspricht. Manche Anbieter mieten die letzte Meile von Dritten und vermarkten sie dennoch als eigenes Netz. Für Redundanzanforderungen ist das ein entscheidender Unterschied, weil zwei scheinbar getrennte Leitungen dann über dieselbe physische Infrastruktur laufen können. Wer Redundanz einkauft, sollte sie deshalb auf physischer Ebene verifizieren und nicht anhand des Anbieternamens. Die Frage nach dem tatsächlichen Eigentümer der Glasfaser gehört vor jede Vertragsunterschrift, nicht in die Störungsanalyse danach.
Das hängt vollständig vom Land ab, und Anbieter weisen selten proaktiv darauf hin. In manchen Märkten sind vor Auftragserteilung bestimmte Dokumente des Endkunden erforderlich, in anderen ist ohne Nachweis eines lokalen Elektrikerkontakts gar keine Bestellung möglich. Ein einheitliches Regelwerk für die weltweite Beschaffung von Internetzugängen existiert nicht. Wer diese Anforderungen erst im laufenden Prozess entdeckt, riskiert Verzögerungen von mehreren Wochen. Die vollständige Liste sollte deshalb vor jeder Lieferzusage vorliegen, nicht danach.
Echte Redundanz zeigt sich erst auf der physischen Ebene. Zwei Verträge bei verschiedenen Anbieternamen sagen nichts darüber aus, ob beide Leitungen dieselbe Trasse, denselben Gebäudeeinstieg oder denselben Last-Mile-Lieferanten nutzen. Sinnvoll sind deshalb Nachweise über getrennte Wegeführung, getrennte Einführungen ins Gebäude und unterschiedliche Vorlieferanten. Ergänzend gehört geklärt, ob der Anschluss dediziert oder shared ist: Ein als Business bezeichneter Anschluss auf Consumer-Basis erfüllt selten die Verfügbarkeitsanforderungen eines Produktionsstandorts.
Savecall ist carrier-neutraler Sourcing- und Beratungspartner und orchestriert den Zugang zu allen wesentlichen Carriern weltweit. Eingebracht werden Marktkenntnis, eingespielte Anbieterbeziehungen und die Erfahrung aus einer Vielzahl abgewickelter Standortbestellungen. Das Portfolio reicht von DIA und Business-Internet über Ethernet, SD-WAN und SASE bis zu NaaS und IP-Transit für die Standortvernetzung. Savecall übernimmt Anbieter- und Preisvergleich, Vertragsverhandlung und laufende Betreuung, unabhängig davon, ob es um einen einzelnen Standort oder einen globalen Multi-Country-Rollout geht.
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