SD-WAN einfach erklärt: Was ist SD-WAN und wie funktioniert es?

SD-WAN: Flexibilität und Effizienz für Ihr Unternehmensnetzwerk

Wie softwaredefinierte Netzwerke die Zukunft der Konnektivität gestalten

Auf den Punkt gebracht:

  • Kosteneffizienz: Nutzung günstiger Internetverbindungen bei gleichbleibender Performance.
  • Hohe Ausfallsicherheit: Automatische Umleitung des Datenverkehrs bei Leitungsproblemen.
  • Optimierte Anwendungsleistung: Intelligentes Routing sorgt für stabile Performance.
  • Einfache Skalierbarkeit: Neue Standorte lassen sich schnell integrieren.
  • Zentrale Verwaltung: Transparente Steuerung und Kontrolle über alle Verbindungen.

Die Lösung: SD-WAN bündelt mehrere Leitungen zu einem intelligent gesteuerten Netzwerk, reduziert Kosten gegenüber klassischen WAN-Modellen und lässt sich zentral verwalten.

Worum es in diesem Beitrag geht: Was SD-WAN ist, warum Unternehmen darauf setzen, wie es technisch funktioniert, wie es sich zu MPLS verhält und welche Vorteile es bietet. Die zentrale Frage: Ist Ihr Unternehmensnetzwerk schon so flexibel wie Ihre Geschäftsanforderungen?

In einer vernetzten Welt müssen Unternehmen unternehmenskritische IT an mehreren Standorten bereitstellen. Software-definierte Wide Area Network, kurz SD-WAN, ist hierfür eine optimale Lösung. Flexibilität und Kosteneffizienz im Vergleich zu herkömmlichen Netzwerkinfrastrukturlösungen machen SD WAN attraktiv. Wie funktioniert es und welche Vorteile hat es gegenüber anderen Netzwerklösungen?

1. SD-WAN erklärt

SD-WAN ist eine automatisierte Overlay-Technologie, die verschlüsselte, anwendungsspezifische dynamische Tunnel verwendet, um die beste Benutzer- und Anwendungserfahrung mit der Netzwerkinfrastruktur zu bieten, über die sie läuft.

Diese Technologie ermöglicht es Unternehmen, herkömmliche WAN-Verkehrsdienste wie Multiprotocol Label Switching (MPLS, siehe MPLS vs. SD-WAN) zu ergänzen oder zu ersetzen. Dabei werden oft günstigere Internetzugangsdienste genutzt, um die WAN-Konnektivität mit Quality of Service (QoS) kostengünstig auf kleine Standorte auszuweiten. SD-WAN ermöglicht es Unternehmen auch, die Benutzer- und Anwendungserfahrung von der Technologie und dem Anbieter der Netzwerkkonnektivität auf der letzten Meile zu entkoppeln. Dadurch entsteht der Eindruck eines einheitlichen Netzwerks, unabhängig von den verwendeten Technologien.

2. Warum SD-WAN?

In der Vergangenheit mussten Unternehmen ihr eigenes privates Netzwerk aufbauen oder sich auf traditionelle WAN-Dienste von Anbietern verlassen. Diese Lösungen waren nicht immer flexibel genug, um sich an veränderte Anforderungen anzupassen, wie z. B. die Einführung einer Hybrid-Cloud. Diese Kundennetzwerke sind im großen Maßstab schwieriger zu verwalten und langsamer in der Bereitstellung. Ältere Lösungen bieten auch weniger Transparenz und keine maßgeschneiderte Behandlung des Datenverkehrs auf Anwendungsebene.

Aber es sind nicht nur die Probleme und Defizite herkömmlicher WAN-Modelle, die die Einführung von SD-WAN vorangetrieben haben. Auch die Enttäuschung über den Einkaufsprozess in der Telekommunikation hat die Verbreitung von SD-WAN vorangetrieben. Die Kunden wollen den Kauf von Konnektivität und die Bereitstellung von Netzwerken voneinander trennen. SD-WAN macht dies möglich, indem es sie vom Kaufprozess der Telekommunikationsanbieter befreit und ihnen mehr Flexibilität bietet.

3. Wie funktioniert SD-WAN?

Im Wesentlichen trennt SD-WAN die Steuerungsebene von der Datenebene. Der SD-WAN-Controller, in dem die Steuerungsebene untergebracht ist, fungiert als zentrales Gehirn der Lösung. Er liefert die Anweisungen und Regeln, die Edge-Geräte benötigen, um Pakete effektiv weiterzuleiten.

Der Controller sammelt auch Echtzeit-Feedback von den SD-WAN-Appliances über den von den angeschlossenen LANs kommenden Verkehr und die Leistung der angeschlossenen Leitungen. Auf diese Weise kann der Controller den Datenverkehr in Echtzeit lenken, um die Anwendungen so zu gestalten, dass sie bessere Leistungsergebnisse erzielen. Die Datenebene befindet sich in den SD-WAN-Edge-Appliances, die sich an jedem Kundenstandort befinden. Diese Appliances sind mit den LANs und Netzzugangsleitungen der Kunden verbunden. Während die Steuerungsebene sozusagen das Gehirn ist, führt die Datenebene die vom Controller vorgegebenen Aktionen aus.

Diese Architektur ermöglicht eine schnellere, sachkundigere und effektivere Datenübertragung, was zu einem besseren und konsistenteren Gesamterlebnis für den Endbenutzer führt.

4. SD-WAN vs. MPLS

Obwohl SD-WAN und MPLS oft als Alternativen zueinander betrachtet werden, schließen sie sich nicht gegenseitig aus. Es gibt einige wichtige Unterschiede zwischen den beiden.

KriteriumSD-WANMPLS
ArchitekturVirtuelle, softwarebasierte Overlay-Lösung, unabhängig vom TransportmediumVorinstallierte Shared-Services-Private-Network-Architektur des Carriers
TransportmediumBeliebige IP-Zugänge kombinierbar (Internet, Glasfaser, LTE/5G, auch MPLS)Dediziertes Carrier-Netz, eingeschränkte Zugangstechnologien
KostenNiedriger durch Nutzung günstiger InternetleitungenHöher durch dedizierte Leitungen
Quality of ServiceAnwendungsbasiertes Routing, wählt die beste verfügbare VerbindungGarantierte Bandbreite und Qualität für definierten Datenverkehr
AusfallsicherheitAutomatische Umleitung über mehrere aktive LeitungenAbhängig von zusätzlich gebuchter Redundanz
StandortanbindungAuch reine Mobilfunk-, Pop-up- oder Remote-Standorte einfach integrierbarAn Verfügbarkeit der Carrier-Infrastruktur gebunden
VerwaltungZentrale Steuerung und Transparenz über ein PortalSteuerung überwiegend beim Carrier
SD-WAN und MPLS im direkten Vergleich. In der Praxis lassen sich beide kombinieren.

MPLS-WAN-Lösungen von Carriern werden über eine vorinstallierte Shared Services Private Network-Architektur betrieben. SD-WAN hingegen ist eine virtuelle, softwarebasierte Lösung, die unabhängig von der zugrunde liegenden Transportarchitektur ist. Aus diesem Grund wird sie oft mit dem Internet, dem günstigsten Übertragungsmedium, in Verbindung gebracht. Dies ist ein wichtiger Unterschied, denn bei einem herkömmlichen MPLS-WAN sind Sie durch die verwendbaren Zugangstechnologien eingeschränkt. Bei SD-WAN hingegen können Sie IP-Zugangslösungen verschiedener Anbieter, einschließlich MPLS, mischen und aufeinander abstimmen, wobei die SD-WAN-Technologie sie zu einem verwaltbaren Netzwerk zusammenführt.

So kann SD-WAN beispielsweise ein individuelles Maß an Ausfallsicherheit und Bandbreite ermöglichen, was zu einer maßgeschneiderten, kostengünstigen Lösung führt. Das bedeutet auch, dass SD-WAN bei Bedarf Standorte nur mit mobilem Breitbandzugang einschließen kann. So können beispielsweise auch Pop-up-Standorte oder entfernte Standorte ohne Personal einbezogen werden.

Wie bereits erwähnt, ermöglicht SD-WAN mehrere Transportoptionen, einschließlich MPLS. MPLS gilt als die beste Transportnetzlösung, da es Bandbreite und Qualität für eine bestimmte Menge an Datenverkehr garantieren kann. SD-WAN hingegen kann den Datenverkehr gestalten und die leistungsfähigste Verbindung auswählen, um die Parameter für die Dienstqualität zu erfüllen. Es kann jedoch nicht dafür sorgen, dass das Internet schneller wird. Hier kommt MPLS ins Spiel. Eine leistungsstarke Hochgeschwindigkeits-MPLS-Verbindung zu kritischen Standorten kann dafür sorgen, dass der Datenverkehr über eine überschaubare Anzahl von Peering-Punkten kurze, zuverlässige Sprünge von der Quelle zum Ziel macht.

5. SD-WAN Vorteile

Nachdem Sie nun wissen, wie SD-WAN funktioniert und warum Sie es nutzen sollten, hier einige weitere Vorteile einer SD-WAN-Lösung:

  • Kostengünstiges Netzwerk: SD-WAN bietet die Flexibilität, verschiedene Transportoptionen für die Ausfallsicherheit zu nutzen und die Bandbreite standortabhängig zu skalieren.
  • Jeder Standort kann angebunden werden: Unternehmen können jeden beliebigen Anbieter nutzen, um jeden gewünschten Standort kostengünstig anzuschließen.
  • Erhöhte Betriebszeit der Standorte: Bei mehr als einer Zugangsleitung setzt SD-WAN automatisch Prioritäten und leitet Anwendungen um, wenn Netzwerkprobleme erkannt werden.
  • WAN-Optimierung: Anwendungsorientiertes Routing verbessert die Performance, gezielte Vorwärtsfehlerkorrektur verhindert Beeinträchtigungen durch Paketverluste.
  • Netzwerksicherheit über das öffentliche Internet: Verschlüsselte Tunnel ermöglichen die sichere Nutzung des günstigen öffentlichen Internet-Transports.
  • Kurze Vorlaufzeiten für neue Standorte: Eine vorkonfigurierte SD-WAN-Appliance nutzt jede Internetverbindung, um den Standort schnell online zu bringen.
  • Höhere Quality of Experience: Anwendungen erhalten eigene Leistungsanforderungen, Fehlerkorrektur und Priorisierung sorgen für optimale Erfahrung.
  • Zentralisierte Steuerung und Sichtbarkeit: Die zentrale Steuerungsebene ermöglicht End-to-End-Performance-Management über ein Kundenportal.

Wie SAVECALL bei SD-WAN unterstützt

SAVECALL berät anbieterunabhängig bei Auswahl, Design und Beschaffung Ihrer SD-WAN-Lösung. Auf Basis von über 80 Carrier-Partnerschaften vergleichen wir Anbieter wie Cisco, Fortinet, Cato Networks oder VMware, beschaffen das passende Underlay und begleiten die Implementierung end-to-end. So entkoppeln Sie den Einkauf von Konnektivität von der Netzbereitstellung und behalten die volle Flexibilität.

Fazit: SD-WAN als flexible Netzwerkbasis

SD-WAN trennt die Netzsteuerung von der Leitung und macht das Unternehmensnetz damit flexibel, ausfallsicher und zentral verwaltbar. Es ersetzt MPLS nicht zwingend, sondern kombiniert die Stärken beider Welten zu einer maßgeschneiderten, kostengünstigen Lösung. Wer mehrere Standorte und wachsende Cloud-Nutzung hat, gewinnt mit SD-WAN spürbar an Tempo und Kontrolle.

Frank Frommknecht, Key Account Consultant bei SAVECALL

Verfasst von

Frank Frommknecht

Key Account Consultant, SAVECALL

Begleitet Unternehmen seit über 20 Jahren bei Auswahl und Optimierung ihrer Vernetzungslösungen. Sein Fokus: komplexe Telekommunikation aus Sicht des Kunden verständlich machen und strategisch die passende Lösung finden.

Quellen

  • Gartner: Magic Quadrant und Definitionen zu SD-WAN und SASE
  • MEF Forum: Standards und Terminologie für SD-WAN-Dienste (MEF 70)
  • SAVECALL: SD-WAN-Lösungen für Unternehmen

Häufig gestellte Fragen

Was ist SD-WAN und was bedeutet der Begriff?

SD-WAN steht für Software-Defined Wide Area Network, auf Deutsch softwaregesteuertes Weitverkehrsnetz. Statt teure dedizierte Leitungen zu nutzen, bündelt SD-WAN mehrere günstigere Internetverbindungen wie Glasfaser, DSL, LTE oder 5G zu einem intelligenten Netzwerk. Eine zentrale Software entscheidet in Echtzeit, welche Leitung für welche Anwendung genutzt wird: Videokonferenz bekommt die schnellste Leitung, E-Mail läuft auf der günstigsten. Unternehmen bekommen damit mehr Bandbreite zu niedrigeren Kosten und können ihr Netzwerk zentral aus der Cloud steuern, ohne an einen einzigen Carrier gebunden zu sein.

Wie funktioniert SD-WAN in der Praxis?

An jedem Unternehmensstandort wird eine SD-WAN-Box installiert, die alle verfügbaren Internetleitungen bündelt. Die Box misst kontinuierlich Latenz, Paketverlust und Bandbreite aller Leitungen und routet den Traffic automatisch. Microsoft-Teams-Gespräche laufen über die leitungsärmste Verbindung, große Datei-Downloads über die breitbandige Leitung, kritische ERP-Daten über die zuverlässigste. Alle Boxen an allen Standorten werden zentral über eine Cloud-Konsole konfiguriert und überwacht, ohne dass ein Techniker vor Ort sein muss. Bei Ausfall einer Leitung schaltet SD-WAN in Sekunden automatisch auf die nächste um.

Was ist der Unterschied zwischen SD-WAN und einem VPN?

Ein VPN (Virtual Private Network) verschlüsselt den Datenverkehr zwischen zwei Punkten über das öffentliche Internet, bietet aber keine intelligente Leitungssteuerung, kein Application-Aware Routing und kein zentrales Management. SD-WAN beinhaltet VPN-Verschlüsselung als Bestandteil, geht aber weit darüber hinaus: Es bündelt mehrere Leitungen, misst Leitungsqualität in Echtzeit, priorisiert Anwendungen automatisch und skaliert auf Hunderte von Standorten über eine zentrale Konsole. VPN ist eine punktuelle Sicherheitslösung, SD-WAN ist eine vollständige WAN-Architektur für Unternehmen mit mehreren Standorten.

Für welche Unternehmen ist SD-WAN geeignet?

SD-WAN ist besonders geeignet für Unternehmen mit zwei oder mehr Standorten, die Cloud-Anwendungen wie Microsoft 365, SAP oder Salesforce nutzen. Mittelständische Unternehmen mit 5 bis 500 Standorten profitieren am meisten, da SD-WAN zentrales Management ohne lokale IT-Ressourcen ermöglicht. Auch Unternehmen, die von teuren MPLS-Leitungen auf günstigere Internetverbindungen wechseln wollen, oder solche mit internationalen Standorten in Ländern mit schlechter MPLS-Infrastruktur wie China (siehe SD-WAN China), sind typische SD-WAN-Kunden. Für Einzelstandorte ohne WAN-Bedarf ist SD-WAN überdimensioniert.

Wie viel kostet SD-WAN pro Monat und pro Standort?

SD-WAN kostet typischerweise zwischen 50 und 200 Euro pro Standort monatlich für die Softwarelizenz, hinzu kommen die Underlay-Kosten für die Internetleitungen (100 bis 600 Euro je nach Bandbreite und Technologie). Ein kompletter SD-WAN-Standort mit Dual-Internet und Managed Service liegt bei 250 bis 600 Euro monatlich. Das ist 30 bis 60 Prozent günstiger als vergleichbare MPLS-Anbindungen. Über den SAVECALL Beschaffungspool werden Underlay- und Lizenzkosten zusätzlich um 15 bis 35 Prozent reduziert. Konkrete Kalkulation für Ihr spezifisches Setup im Erstgespräch.

Was braucht man technisch für SD-WAN?

Für SD-WAN braucht jeder Standort eine SD-WAN-Appliance (Hardware-Box oder virtuelle Instanz), mindestens eine Internetverbindung (empfohlen zwei unterschiedlicher Carrier für Ausfallsicherheit) sowie einen SD-WAN-Service-Vertrag mit einem Anbieter wie Cisco, Fortinet, Cato Networks oder VMware. Die zentrale Management-Konsole läuft in der Cloud ohne eigene Server. Im Managed-SD-WAN-Modell liefert ein Managed Service Provider die Appliance, richtet alles ein und überwacht den Betrieb 24/7. SAVECALL begleitet Anbieter-Auswahl, Underlay-Beschaffung über 80 Carrier-Partner und Implementierung end-to-end.

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