Pressemitteilung

Bundespolitiker einig: Kein Schnellschuss beim Thema Netzneutralität
Mehr als 350 Gäste beim VATM-Sommerfest 2010 – TK-politische Sprecher der Fraktionen im Polit-Talk

Köln, 16. September 2010. Die Schwerpunktthemen waren beim gestrigen VATM-Sommerfest in Berlin schnell ausgemacht. Vor allem der bundesweite Ausbau eines Highspeed-Glasfasernetzes, die Schließung der weißen Flecken in der Breitbandversorgung sowie die Netzneutralitäts-Diskussion beschäftigten die rund 350 Gäste aus Politik, Regulierung, Telekommunikationsbranche und Medien. „Wir gehen davon aus, dass mit Hilfe des LTE-Ausbaus bis Ostern die Breitbandlücken auf dem Lande geschlossen sein werden und damit das erste Ziel der Breitbandstrategie der Bundesregierung erreicht ist“, sagte Harald Stöber, Vizepräsident des VATM, bei der Begrüßung im Berliner „Zollpackhof“. Zugleich betonte er, dass ausgewogene Regeln für den Glasfaserausbau bis zum Endkunden gefunden werden müssen, damit dieser flächendeckend erfolgen kann. „Wir können es uns im Sinne des Wirtschaftsstandortes Deutschland nicht erlauben, nur an zentralen Standorten die neue Infrastruktur zu schaffen. Und der Wettbewerb auf dem TK-Markt ist der Motor dieses Ausbaus, daher müssen wir Regeln für den offenen Netzzugang finden“, so Stöber. Er wies auf die wachsende Bedeutung von regionalen Anbietern beim Ausbau des investitionsintensiven Hochgeschwindigkeitsnetzes hin.

Auch Markus Haas, Geschäftsführer Corporate und Legal Affairs der Telefónica O2 Germany, hob in seiner Keynote die Bedeutung des Wettbewerbs auf den Telekommunikationsmärkten hervor, der nicht nur Investitionen und Innovationen hervorbringe, sondern von dem auch alle Marktteilnehmer profitierten: „Voraussetzung für diesen Wettbewerb ist eine kluge Regulierung, die die entscheidenden Impulse für die Marktentwicklung setzt.“ Es sei extrem wichtig, klare Bedingungen für Open Access, VDSL-Vorleistungen und das Thema Netzneutralität zu schaffen. Aber auch etwa bei den Mobilfunkterminierungsentgelten gelte es eine investitionsfördernde Entscheidung zu treffen, meinte Haas. Diese Entgelte stellen die Mobilfunknetzbetreiber anderen Unternehmen für eingehende Gespräche in Rechnung. Nächste Woche werden die Mobilfunker turnusgemäß ihre neuen Anträge einreichen.

Grundkonsens herrschte auch beim Polit-Talk mit den TK-politischen Sprechern der Bundestagsfraktionen Andreas Lämmel (CDU/CSU), Sebastian Blumenthal (FDP), Martin Dörmann (SPD) und Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen): Wettbewerb müsse gefördert werden und zugleich Planungssicherheit herrschen. „Hier ist die Bundesnetzagentur besonders gefordert, die Bedingungen für Kooperationen der investierenden Unternehmen zu klären“, meinte Dörmann zudem.

Einig waren sich die vier Bundestagsabgeordneten über die Fraktionsgrenzen hinweg: Das Internet müsse weiterhin ein Raum der Meinungsfreiheit sein – und das Thema Netzneutralität ruhig und sachlich diskutiert werden. „Bei dieser Diskussion geht Sorgfalt vor Schnelligkeit. Und ein starrer Rahmen am Ende wäre nicht zielführend“, so Blumenthal. Es gelte, das kreative Element im Netz zu erhalten, so von Notz: „Zugleich müssen wir klären, wie man das Prinzip der Netzneutralität aufrecht erhalten kann und es dennoch schafft, ein sinnvolles und transparentes Netzwerkmanagement zu realisieren.“ Besonders wichtig sei, dass die Regelungen und Angebote für den Verbraucher transparent seien, so Andreas Lämmel. Dem schlossen sich die anderen Diskussionsteilnehmer an. Von Notz und Stöber unterstrichen zudem, dass nicht durch Deep Package Inspection (DPI) einzelne Daten genau untersucht und bevorzugt oder benachteiligt werden dürfen – also keine Inhaltekontrolle erfolgen dürfe. Die TK-Experten der Fraktionen wiesen darauf hin, dass sich die Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages intensiv mit dem Thema beschäftigen wird.

Am Schluss fasste VATM-Vizepräsident Stöber zusammen: „Insbesondere bei der Problematik schneller Anbieterwechsel hoffen wir auf eine Regelung bei der Novelle des Telekommunikationsgesetzes. Beim Thema Netzneutralität muss eine akzeptierte allgemeingültige Definition gefunden werden und es müssen Leitplanken festgelegt werden, nicht jedoch technische Details. Der Kunde muss neue Inhalte und Angebote – etwa 3D HDTV oder Telemedizin – wählen und der Diensteanbieter zu diesem Zweck bestimmte Qualitäten nachfragen können. Zudem setzen wir auf eine marktgerechte Lösung für Open Access – den offenen, diskriminierungsfreien Zugang – für die Anbieter im Glasfasernetz.“

Zum Thema Breitband passte es, dass EWE TEL (Oldenburg) neben Telefónica O2 Germany Co-Sponsor des VATM-Sommerfestes war. Der regionale TK-Spezialist sorgt vor allem in Niedersachsen für eine umfassende Breitbandversorgung und hat zuletzt die Clusterausschreibung des Landes Niedersachsen zur Beseitigung weißer Flecken gewonnen.

Quelle: www.vatm.de – Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V.


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