Interview mit Markus Albers über die Arbeitswelt der Zukunft

Publiziert von Daniela Eckstein

Originalquelle QSC-Blog

Herr Albers, Sie behaupten, das Ende des normalen Bürojobs sei für die meisten von uns in absehbarer Zeit gekommen. Festangestellte würden zunehmend arbeiten, wann und wo sie wollten. Viele würden sich sogar selbstständig machen und nur noch projektweise für Unternehmen tätig sein. Woher nehmen Sie diese Gewissheit?

Albers: Ich habe für meine Bücher “Morgen komm ich später rein” und “Meconomy” mit vielen internationalen Trendforschern und Arbeitsmarktexperten gesprochen. Sie alle berichten von einem tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt. Angestoßen wird er durch die inzwischen für jedermann leicht verfügbaren Informationstechnologien.

Allein wegen des Klimawandels und der steigenden Benzinpreise müssen wir uns fragen, warum wir uns deswegen jeden Morgen mit dem Auto während der Rushhour im Stau stehen, nur um uns im Büro an einen Computer zu setzen. Das können wir inzwischen ganz problemlos von zu Hause, aus dem Café, aus einem Park oder sogar vom Strand aus. Tragbare Computer, schnelle und mobile Internetzugänge und Mobiltelefone machen es möglich.

Das hört sich verführerisch an – nach wenig Kontrolle und viel Freizeit. Bricht jetzt für die Arbeitnehmer in unserem Land das Paradies aus?

Albers: Die Arbeit muss nach wie vor erledigt werden. Doch wo und zu welcher Uhrzeit wird immer unwichtiger. Das kann bedeuten, dass man nachmittags mit den Kindern ins Schwimmbad geht und dafür abends am Schreibtisch sitzt, wenn der Nachwuchs schläft. Der Alltag wird dadurch leichter. Ich nenne es folgerichtig „Easy Economy“.

Es handelt sich um das Ende der Präsenzkultur in den Unternehmen. Sicher gibt es auch viele Menschen, die sich im Büro wohl fühlen, denen feste Bürozeiten Sicherheit geben. Aber gerade junge Arbeitnehmer und vor allem die begehrten, raren Fachkräfte fordern zunehmend flexible Arbeitsbedingungen. Sie nutzen ohnehin ständig moderne Informationstechnologien. Und sie verlangen offensiv nach mehr Freizeit und Work-Life-Balance.

Was habe ich denn von einem Ortswechsel in den Park oder ins Home-Office?

Albers: Viele Studien belegen, dass es im Büro durch Ineffizienz und Ablenkung dramatische Verluste an Produktivität gibt. Wenn Sie sich hingegen Ihre Arbeit selbst einteilen können, wenn Sie dann arbeiten, wenn Sie sich am fittesten fühlen und nachdem sie dringende Privatsachen erledigt haben, dann schaffen sie die Arbeit von neun Stunden in fünf. Der Rest ist gewonnene Freizeit.

 

Dadurch steigt übrigens auch ihr relativer Stundenlohn dramatisch. Es gibt viele Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern und die Ablenkung zu reduzieren. Studien zeigen zudem, dass die meisten Menschen in einer angenehmeren Umgebung viel kreativer sind und sich wohler fühlen. Letztlich werden sie dann auch seltener krank.

Aber Verkäufer oder Bauarbeiter müssen doch jeden Tag pünktlich zur Arbeit gehen.

Albers: Stimmt, Fluglotsen, Lehrer und Stahlkocher auch. Die Easy Economy gilt für alle Wissensarbeiter, auch Kreative Klasse genannt. Vereinfacht gesagt ist das jeder, der täglich vor einem Computer sitzt: Vom Ingenieur bis zum Marketing-Experten, vom Verwaltungsbeamten bis zum Grafiker. Diese Tätigkeiten machen schon heute etwa die Hälfte aller Jobs in Deutschland aus, Tendenz stark steigend.

Warum sollten Chefs ihre Mitarbeiter in die Freiheit entlassen?

Albers: Weil es sich für sie lohnt. Ich habe mit großen Unternehmen von BMW und Daimler über die Deutsche Bank bis SAP und IBM gesprochen, außerdem mit vielen Mittelständlern. Überall ist das, was ich „Easy Economy“ nenne, gerade ein Riesenthema: Wenn Mitarbeiter nicht mehr jeden Tag ins Büro gezwungen werden, sind sie nachweislich motivierter, produktiver, kreativer und loyaler. Sie leisten mehr, kündigen seltener, haben bessere Einfälle. Dem Unternehmen fällt es leichter, die besten Talente zu rekrutieren – angesichts des steigenden Fachkräftemangels ein zentrales Argument. Außerdem spart es bis zu 50 Prozent an Immobilienfläche und Energiekosten.

Also eine Sparmaßnahme der Arbeitgeber auf dem Rücken der Angestellten, die dann keinen eigenen Schreibtisch mehr haben?

Albers: Nein. Für die Arbeitnehmer zahlt sich das doppelt aus. Zum ersten Mal in der Geschichte können Festangestellte so arbeiten wie Freiberufler – ohne Anwesenheitspflicht und Schreibtischzwang. Ich nenne das die neuen „Freiangestellten“. Man geht immer noch manchmal ins Büro, aber vielleicht nur zwei Tage pro Woche oder nur drei Stunden am Tag.

So kann man zwischendurch Erledigungen machen, hat Zeit für Freunde und Familie. Man verbringt nicht mehr den größten Teil seiner wachen Zeit im Büro, wo man eh ständig durch Kollegen, Telefonate, E-Mails und Meetings abgelenkt wird und oft gar nicht richtig zum Arbeiten kommt.

Klingt verlockend, aber auch ziemlich utopisch.

Albers: Keineswegs. Ich habe mit Managern von Firmen gesprochen, die es bereits genau in dieser Weise handhaben. Eine so befreite und mobile Art zu arbeiten ist völlig realistisch, es gibt schon viele Menschen, die sie praktizieren und es werden immer mehr.

Sie sprechen von steigender Loyalität. Wie soll das bei freien Mitarbeitern funktionieren, die nur noch projektweise in Unternehmen tätig sind?

Albers: Da müssen wir genau unterscheiden. Für Freelancer trifft Ihre Skepsis sicher zu. Aber bitte verstehen Sie mich richtig: Ich gehe davon aus, dass die meisten Wissensarbeiter weiterhin in festen Arbeitsverhältnissen tätig sind. Es wäre den Unternehmen auch nicht zu raten, ihre Mitarbeiter weitflächig outzusourcen, um sie dann unter schlechteren Arbeitsbedingungen als Freelancer wieder zu beschäftigen. Mein zweites Buch „Meconomy“ ist auch keineswegs als Vorschlag gedacht so zu verfahren.

 

Meine Intention mit diesem Buch war vielmehr zu zeigen: Durch die modernen Informationstechnologien ist es heute viel einfacher und billiger sich selbstständig zu machen als noch vor wenigen Jahren. Wer gerne aus seinem bisherigen Job aussteigen möchte oder nach der Ausbildung Probleme hat eine Festanstellung zu finden, kann über die Selbstständigkeit ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben führen.

Mit dem Begriff „Easy Economy“ dagegen beschreibe ich in meinem Buch „Morgen komm ich später rein“ die Situation und Motivation von Mitarbeitern, die festangestellt sind und trotzdem neue Freiheiten genießen. Für sie gilt: Wenn die Arbeitsbedingungen flexibel sind und sich ihren Bedürfnissen anpassen, steigt ihre Loyalität. Umgekehrt gilt eben nicht, dass jemand besonders loyal gegenüber seinem Arbeitgeber ist, nur weil er jeden Tag ins Büro geht.

Grundsätzlich gilt auch: So etwas wie lebenslange Loyalität gibt es kaum noch; die Angestellten wechseln viel häufiger als früher die Stellen.

Geht nicht auch viel inhaltliche Qualität verloren, wenn Kollegen zunehmend schriftlich – per E-Mail oder Messenger-Dienste – miteinander kommunizieren?

Albers: Na seien wir mal ehrlich! Viele Gespräche und Meetings im Büro drehen sich um Belanglosigkeiten oder sind schlecht vorbereitet. Wenn ich eine E-Mail schreibe, mache ich mir dagegen erst mal genau Gedanken, was ich da schriftlich weitergebe. Mailen bedeutet außerdem zeitversetzt zu kommunizieren: Man schreibt dann, wenn man Zeit hat, der andere antwortet, wann es ihm passt. All dies führt dazu, schonender mit der Ressource Zeit umzugehen. Erfahrungsgemäß fassen sich auch Anrufer im Home-Office deutlich kürzer als Kollegen im Büro. Ich sehe mündliche Kommunikation nicht unbedingt im Vorteil.

Trotzdem ist richtig: Für virtuelle Teamarbeit benötigen wir mehr Erfahrung und bessere Technologien als bisher. Wir müssen noch viel lernen: zum Beispiel keine unsinnigen Mails mit endlosen Antwortketten an riesige Verteiler zu verschicken. Außerdem fehlen teilweise noch gute Tools, mit denen sich virtuelle Teams optimal organisieren können. Ein ITK-Anbieter wie QSC könnte sie liefern.

Und wie verändert sich der Kontakt untereinander, wenn man sich nur noch selten trifft? Viele Leute motiviert doch gerade der Kontakt zu interessanten Kollegen.

Albers: Sicherlich werden sich die Beziehungen verändern: Kannte man früher wenige Kollegen ziemlich gut, wird man demnächst mehr Mitarbeiter oberflächlicher kennen lernen. Schwer zu sagen, was für die Arbeit und die Motivation besser ist.

Es kommen aber auch neue soziale Komponenten hinzu: Bei IBM gibt es eine Datenbank mit Angaben über alle Mitarbeiter weltweit. Die Mitarbeiter können darüber Kontakte zu Kollegen in anderen Ländern knüpfen, die am selben Thema arbeiten wie sie. Unternehmen können zudem Plattformen anbieten, auf denen sich die Mitarbeiter über ihre Hobbys austauschen und kennen lernen.

Wenn sich die Arbeitswelt wandelt: Welche Unternehmen werden die Veränderung am ehesten meistern? Große, kleine – oder eher mittelständische wie QSC?

Albers: Die Veränderung in der Arbeitswelt trifft kleine Unternehmen genauso wie große. Start-ups tun sich wahrscheinlich am leichtesten mit neuen Arbeitsformen, weil sie ohnehin wenig Strukturen benötigen. Kleinen Mittelständlern werden oft die Ressourcen fehlen, den Wandel zu vollziehen. Bei Großunternehmen hemmt vermutlich die Größe, sich schnell umzustellen. Eine mittlere Unternehmensgröße wie bei QSC ist wahrscheinlich ideal, um die Anpassung zügig zu vollziehen. Bei QSC speziell kommt hinzu, dass das Unternehmen auch die technische Expertise besitzt, das Thema nicht nur für sich zu entwickeln, sondern daraus auch für andere Produkte abzuleiten.

Eine gute Ausgangsposition für die Arbeitswelt der Zukunft!


Savecall Savecall ITK Experte bei Savecall Tel.: +49 (0)89 / 219 914 810 E-Mail: kontakt@savecall.de Lesen sie auch meinen Blog


Ähnliche Artikel

Leave a Comment