Folgende Schritte sollten Sie vor der Implementierung eines MPLS-Netzes bedenken:

  1. MPLS Netz Analyse, Ausschreibung, ImplementationAnzahl Standorte und benötigte Bandbreite
  2. Geräte und Konfigurationen vor Ort
  3. Betriebene Applikationen. In der Zentrale und im jeweiligen Standort. Wieviele Applikationen nutzen Sie? Wie oft werden diese von wem genutzt, welche sind zwingend erforderlich?
  4. Charakterisika aller Applikationen? Wie verhalten sie sich im Netzwerk-Betrieb bzw. welche Anforderungen stellen sie an das Netzwerk? (z.B. Latenz-Sensibilität?) Gibt es Interdependenzen zwischen einzelnen Applikationen? Welche Bandbreiten benötigen sie typischerweise und wie stark schwankt diese je Tag/Woche/Monat?
  5. Fremde Netzwerke. Vergewissern Sie sich, auch Applikationen aus fremden Netzwerken zu berücksichtigen. V.a. Video und Sprache sind hier ggfs. kritisch. Am besten Sie halten ihre geplante Sprach-(VoIP), Video und Conferencing-Nutzung fest und definieren einen Zeitraum, in welchem sie diese ggfs. in das MPLS migrieren möchten. Dies schützt Sie vor einem bösen Erwachen, wenn Sie später feststellen, dass Bandbreitenbedarfe falsch eingeschätzt wurden und die Kosten explodieren. Ggfs. hätte man dann zu einem früheren Zeitpunkt bereits ein ganz anderes Netz auf zum Beispiel Ethernet-Basis geplant. Eine Erfahrung, die wir im Tagesgeschäft mit unseren Kunden oft machen.
  6. Zukunftsplanung. Planen sie die Entwicklung bereits genutzer Applikationen und absehbare neue Herausforderungen an Ihr Netz wie zum Beispiel Unified Communication, VoIP, video, storage mindestens 5 Jahre voraus.
  7. Verfügbarkeits- und Service-Garantien. Dokumentieren Sie nach Möglichkeit ihre internen Werte. Später werden Sie daraus sinvolle SLA´s für die Netzinfrastruktur ableiten.

Der nächste Schritt: Die Ausschreibung

Bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen gilt es einige MPLS-spezifische Themen zu berücksichtigen:

  1. Ihre Zeitplanung ist abhängig von Anzahl und internationaler Verteilung Ihrer Standorte, benötigten Leitungen (SDSL, Standleitung, Glas), deren Bandbreite, als auch der Anzahl jeweils involvierter Vorlieferanten. Und natürlich, ob Sie über ein Bestandsnetz verfügen, das abgelöst werden muss. Im europäischen Metro-Raum sollten Sie inklusive Backup-Lösung und erforderlicher Tests, reine Installationszeiten von mindestens 4 Monaten planen. Im internationalen Bereich 6 – und in entlegenen Ländern 8 Monate. Zwischen den Standorten ergeben sich Interdependenzen, die es zu bedenken gibt. Insofern sollten Sie allerspätestens 1 – 1,5 Jahre vor Ablauf Ihrer Bestandsverträge Ihre Ausschreibung bereits komplett durchgeführt und eine Vergabeempfehlung getroffen haben. Nur so lassen sich noch Flexibilitäten in der Migration einplanen. Ein Praxis-erfahrener Berater kann Ihnen dabei helfen, zu optimistische Service-Delivery Versprechen von Vertriebsmitarbeitern der Carrier einzuschätzen. Sich daran anschließende Probleme im Roll-out und Betrieb können so verhindert werden. Ebenso kann er Sie während der Projektabwicklung, Testphase und Migration unterstützen.
    Für alle Netze >5 Standorte sollten Sie zwingend einen Servicemanager beim Carrier buchen.
  2. Definition von Service und Zugangsarten. Wie in meiner MPLS-Blogserie beschrieben, gibt es in der Ausgestaltung  von MPLS-Diensten und Netzen viele Geschmacksrichtungen. Aus der Nutzerperspektive sind dies v.a. die Zugangstechnologien wie Kupfer, Standleitung, Glasfaser, wireless und jeweilige Bandbreiten sowie Backups. Es gibt jedoch noch weit mehr Fragen zu klären. Nutzt der Carrier in seinem Netz natives Ethernet, IP, oder legacy services wie Frame-Relay oder ATM? Wie baut er die Ihnen zur Verfügung gestellten Dienste tatsächlich auf und welche Vor- und Nachteile lassen sich so aus den Ihnen vorliegenden Angeboten der einzelner Carrier ableiten? Ergeben sich hieraus Restriktionen oder Kostennachteile beim zukünftigen Ausbau Ihres eigenen Netzes? Es ist nicht alles Gold was glänzt. Auch im Netzwerk-Bereich. Können Remote-User oder Standorte per VPN-Services und mit Internet-Leitungen anderer Carrier ins VPN integriert werden? Lassen Sie sich von allen Carriern genaue Servicebeschreibungen geben. Fragen Sie präzise nach, wie die einzelnen Services im Netz technisch erstellt werden und auf welcher Hardware dies geschieht.
  3. Netzwerk-zu-Netzwerk Schnittstellen (NNI). Versuchen Sie so wenig Vorproduktlieferanten wie möglich in Ihrem Netz zu haben. In der Theorie scheint das nicht all zu bedeutend, aber in der Praxis, beim Roll-out und im Betrieb ergeben sich vielfache Interdependenzen, die vor allem in Störungsfällen zu erheblichen Komplikationen führen werden. Wir haben hier wirklich schon alles erlebt. Vorproduktlieferanten, welche ihre Leitungen einfach abschalten, da sie vergessen, dass ein Kunde eines anderen Carriers darauf läuft. Techniker die vor Ort immer nur bis zum Ende ihres eigenen Netzabschlußes und damit ihrer Zuständigkeit arbeiten, große Probleme in der Abstimmung der Partner untereinander, Subkontraktoren die beliebig Netzstecker ziehen oder einfach mal auf Verdacht Patchkabel umstecken etc….
  4. Netzwerk-Monitoring. Prüfen Sie die Monitoring-Applikationen des Anbieters im Live-Betrieb. Lassen Sie sich Live-Demos vorführen. Sind die vorgestellten Systeme nur zum Monitoring geeignet und damit passiv, oder erhalten Sie aktive Push-Informationen/Mails/SMS, sobald ein von Ihnen definierter kritischer Wert oder ein Incident erreicht wird? Nutzen Sie ggfs. ausgereifte Drittanbieter-Monitoringtools mit komfortablen Apps und der Möglichkeit Usergruppen mit unterschiedlichen Rechten anzulegen. Sprechen Sie uns gerne an. Die meisten Lösungen wie natürlich unsere eigene von Savecall, lassen sich ohne weiteres auch in Fremdnetze integrieren und kosten nur wenige Euro pro User.
  5. Backups. Ihr Netz wird an der ein oder anderen Stelle einmal ausfallen. Das ist sicher. Glauben Sie mir. Sie wissen nur nicht wie oft, wie lange und warum. Ermitteln Sie daher wie kritisch ein Ausfall an den jeweiligen Stellen (Zentrale, Niederlassung, Remote-Arbeitsplätze) für Sie ist. Ermitteln Sie die Kosten (Produktionsausfall, Umsatzausfall), die pro Stunde Ausfall entstehen. Sobald Sie diesen Wert ermittelt haben  und ihn mit der von Ihnen, oder Ihrem Berater abgeschätzten Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls gewichten, wissen Sie, ob und wenn ja, welches Backup Sie benötigen. Hier gibt es ein Kontinuum von Redundanzlösungen. Von der einfachen Backup-Leitung bis zur durchgängigen  medien-, Wege- und Carrier-Redundanz. Für viele Kunden binden wir Standorte in den USA zum Beispiel über andere Seekabel an. Ob sich solche Lösungen jedoch für Sie lohnen hängt einzig und allein von Ihrer individuellen Situation ab.
  6. Quality of Service und Service-Level-Garantien (SLA). Schauen Sie genau hin. Die meisten Carrier versuchen diese Themen elegant zu umschiffen, denn sie wissen, dass sie bei einem Ausfall Ihres Netzes entscheidend sind. Prüfen Sie, welche Entschädigungszahlungen bei einem Netzausfall garantiert werden und ab wann. Ausfallzeit pro Tag, Woche, Monat oder im Mittel eines Jahres? Bei 365 Tagen kann bei garantierter Verfügbarkeit von 98,5% eine Leitung 5 1/2 Tage (und meist werden hier auch nur Werktage zu Grunde gelegt) ausfallen. In diesem Fall ohne jegliche Konsequenzen für den Carrier.

Dritter und letzer, aber wesentlicher Schritt: Die Implementierung im Vertragswerk

Sobald Sie die Angebote auf Ihre Ausschreibung erhalten haben, machen Sie sich bereit die Ärmel hochzukrempeln und sich tief in die Details hinein zu graben. Erarbeiten Sie eine short-list von zwei bis maximal drei Anbietern, die Ihren Anforderungen entsprechen. Erarbeiten Sie mit diesen Vertragsbedingungen, die Ihren technischen, budgetären und betrieblichen Anforderungen widerspiegeln. Berücksichtigen Sie zukünftige Veränderungen im Bereich der Applikationen, benötigte Bandbreiten und sich daraus ergebenden Erweiterungs- und Laufzeit-Vereinbarungen. Blocklaufzeiten über alle Standorte hinweg, unabhängig von „moves and changes“, gewisse up- und downgrade Korridore (z.B. 20%) während der Laufzeit etc.

  1. Matchen Sie Applikationen und Class-of-Services. Harmonisieren Sie SLA´s und Vertragsbedingungen.
  2. Unterstützt Ihr Vertragswerk Ihre Zukunftsstrategie? Falls Sie eine Migration von VoIP in Ihr Netz planen, sollten Ihre Verträge mit dem Carrier dies nicht mit starren Laufzeiten/Bandbreiten/Services bestrafen. Bestehen auch technisch die Möglichkeiten zur flexiblen Netzanpassung oder gibt es Bandbreiten-/Technologie-/Hardware-Engpäße an einzelnen Standorten? Kann Ihr Carrier Ihnen bereits heute absehbare Upgrades garantieren?
  3. Kapazitätsplanung & Netzausbau. Halten Sie explizit die Konditionen fest, unter denen Ihr Netz den zukünftig geplanten Anforderungen angepasst wird. Aufschaltung neuer Standorte, Bandbreitenerweiterungen und Anpassungen der Anbindungs-Technologien (zum Beispiel von Kupfer auf Glas) für Haupt- als auch Backupleitung. Wie sehen die Kosten hierfür aus? Gibt es Kostenkorridore die garantiert werden? Wie lange dauert der jeweilige Umbau, wie erfolgt die Migration und wann muss dies spätestens beauftragt werden? Ein Netzwerk passt sich dem Unternehmen an und benötigt Freiraum zum „atmen“. Gerne wird dies von Carriern für inakzeptable Pricings mißbraucht. Es sei denn, sie haben dies in ihrem Vertragswerk berücksichtigt.

Je mehr Sorgsamkeit Sie in die Phase vor dem Unterzeichnen des Vertrages für Pre-Design und Vertragsverhandlung aufwenden, desto zufriedener werden Sie langfristig mit Ihrem Netz sein. Sofern Sie obige Punkte alle sorgsam berücksichtigt haben, sollte die Inbetriebnahme Ihres Netzes weitestgehend komplikationsfrei erfolgen können und sich während der Nutzung keine all zu großen Überraschungen zeigen.

Ein paar Tips werden Ihnen dabei helfen, einen einfacheren Migrationsprozess für Ihr Unternehmen zu ermöglichen, wenn Sie auch Sprachdienste/VoIP ins Metz migrieren möchten:

  • Falls Sie Sprache/VoIP migrieren und gleichzeitig ein MPLS-Netzwerk ausrollen möchten, bewerkstelligen Sie beide Projekt am besten separat voneinander. Das muß nicht zwingend heißen, daß Sie die VoIP-Migration ins Datennetz komplett auf Eis legen, während Sie Ihr MPLS-Netz ausrollen, aber stellen Sie zumindest sicher, dass Sie genug Ressourcen für beide Projekte vorhalten können. Das hinzu ziehen externer Partner mit entsprechender Erfahrung in diesem Bereich, mag ebenfalls eine gute Strategie sein.

Eine Anpassung des WLAN-Equipments und der Verkabelung vor Ort könnte notwendig werden. Prüfen Sie die Sachlage vor Ort und lassen Sie einen sogenannten VoIP-Ready-Check an jedem Standort mit Prüfprotokollen durchführen. Gerne übernehmen meine Kollegen bei Savecall dies auch für Sie.

Abschließend sollten Sie sich auch noch Gedanken darüber machen, ob Sie in Ihrem Unternehmen ggfs. neue Mitarbeiter bzw. Kompetenzen benötigen, welche durch die Nutzung des MPLS-VPN entstehen. Ab gewissen Übergabepunkten setzen die Carrier bei Ihnen Kompetenzen im Bereich des Umgangs mit dem Netz bzw. den Schnittstellen voraus. Im Falle von MPLS geht das meist noch recht einfach, bei Ethernet-Netzen ist dies jedoch schnell eine größere Herausforderung für die interne IT. Denken Sie an Support und Service-Strukturen die sie ggfs. auch intern aufbauen müßen, oder beauftragen Sie externe Dienstleister damit. Dies kann vor allem bei Netzen mit sehr vielen Standorten und unterschiedlichen Parteien eine sehr sinnvolle Strategie sein.

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Nikolaus von Johnston Nikolaus von Johnston General Manager Savecall Tel.: +49 (0)89 / 219 914 810 E-Mail: kontakt@savecall.de Lesen sie auch meinen Blog


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